Ich werde mich noch etwas mit der angeblichen Toxizität von
CHKM beschäftigen. Wenn ich umstellen sollte, dann wird mein klinisches
Vorgehen dasselbe bleiben, aber statt CaOH2 kommt dann immer (Ausnahme
vielleicht: Apexifikation) die Mischung von CaOH2 und CHKM als Med rein.
Sie sprechen auf die Studie von Sequeira an, die in der "ENODONTIE" bei Quintessenz erschienen ist. Für diese Veröffentlichung in Deutschland wurde es aber auch wirklich Zeit. Schließlich schreibe ich ja nun auch schon fast 10 Jahre darüber Ich kann nachvollziehen, dass Sie sich lieber an die Wissenschaft von Sequeira halten als ein meine Empirie. Ich persönlich würde ohne Not jedoch nicht die Medikamente vermischen, sondern sie lieber nacheinander einsetzten. Und das zumindest solange bis erwiesen ist, dass das Ca(OH)2 die Kriechfähigkeit von CHKM nicht behindert. Und das aus gutem Grund. Es gibt da nämlich noch eine interessante Studie von Distel. Und dort wird von Biofilm-Bildung innerhalb des Hohlraumsystems von E. faecalis-Bakterien bei Ca(OH)2-Einlage berichtet. Darüber hinaus wird das Gemisch z.Bsp.aus Calcxyl und CHKM ganz schön hart und ist in der Folge nicht so einfach zu entfernen.
Biofilm-Bildung ist ja ein aktuelles Thema in der PAR. Wenn ich nun mein
Procedere in der Endodontie-Behandlung anschaue mit besonderer Berücksichtigung
der Kriechfähigkeit von CHKM und gleichzeitig auf mein Procedere bei der
prothetischen Versorgung im desolaten, parodontal extrem geschädigten
Restgebiss mit der Folge der deutlichen Absenkung der Frequenz an
therapieresistenter PAR, dann denke ich, dass das eine vielleicht mit dem
anderen etwas zu tun hat. Immerhin ist CHKM wenige Stunden nach dem Einbringen
auf der Wurzeloberfläche nachweisbar, was ja nichts anderes bedeutet, als dass
es den Biofilm und die in ihm organisierten Bakterien von innen, also von der
Wurzeloberfläche, aus den Tubuli heraus angreifen kann. Vielleicht kann es
Biofilme sogar sprengen oder auflösen. Das müsste man einmal untersuchen. Von
daher sehe ich es als ausgesprochen wichtig an, diese Kriechfähigkeit in keiner
Weise durch Vermischen mit Pasten einzuschränken, solange es keine Untersuchung
gibt, dass CHKM trotzdem die Tubuli durchdringt und auf der Wurzeloberfläche
nachweisbar ist.
Dazu (Auflösung des Biofilms) noch eine Beobachtung. Wenn ein Kanal nicht
besonders gut durchgängig ist, oder wenn man einen Kanaleingang, von dem man
sicher ist, dass er da ist, einmal nicht gleich findet, dann genügt häufig
eine mehrmalige Einlage von CHKM, um ihn gängig zu machen bzw. aufzufinden,
auch und insbesondere bei der Revision. Es sieht also ganz so aus, als könnte
CHKM in gewissen Umfang totes Gewebe so auflösen oder zumindest aufweichen,
dass es leichter entfernbar ist. Das ließe die Vermutung zu, dass CHKM
vielleicht auch den Smear Layer auflösen kann.
Wenn Sie sich mit der Toxizität von CHKM beschäftigen, müssen Sie darauf
achten, dass Sie nicht auf die Angaben zu Para-Chloro-Phnenol herein fallen. Das
eine hat, wie der Hersteller versichert und anhand von Untersuchungen nachweist,
mit dem anderen sehr wenig zu tun, weil der Zusatz von Kampfer bis zur
Sättigungsgrenze das alles total
verändert. So ist z.B. Parachlorophenol stark ätzend, CHKM jedoch gar nicht
(siehe auch die Studie von
Tchaou ).