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Fallbeispiel 114

In Kenntnis der neueren Literatur kann als wissenschaftlich erwiesen angesehen werden, dass

Hieraus ergibt sich der logisch zwingende Schluss, dass die heute als modern geltenden Behandlungsprotokolle nicht indikationsgerecht sind:

Wenn man vor dem Hintergrund alter und neuer wissenschaftliche Belege die Ergebnisse der Studie von Marending et al.  richtig interpretiert, wird deutlich, dass die als modern auftretende Endodontie ihre ärztliche Aufgabe, die in der Unterstützung des Patienten in seinem Bemühen um Selbstheilung besteht, nicht erfüllt, sondern vielmehr auf halbem Wege halt macht und die Lösung des Problems der Ausheilung der bakteriell infizierten apikalen Ostitis der Qualität und Leistungsfähigkeit der individuellen Immunantwort des jeweils betroffenen Patienten überlässt, die das in einem erheblichen Prozentsatz der Fälle nicht leisten kann. 

Wenn Castagnola 1951 schreibt: „Um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts (aus unserer heutigen Sicht ist es das vorletzte) war bei der Behandlung der gesunden sowie der erkrankten Zahnpulpa eine stark mechanisch-technische Auffassung vorherrschend....“. , wird deutlich, warum David Figdor zurecht beklagt, dass  in den letzten 100Jahren keinerlei Fortschritt bei der Behandlung der apikalen Ostitis und damit in der Erweiterung der Indikationsstellung zum Zahnerhalt zu verzeichnen ist. Castagnola beschreibt mit diesem Satz nämlich genau den mechanistischen Ansatz in der Endodntie, der wie kein anderer die amerikanische Lehre geprägt hat und noch heute dominierend ist. Die Kernaussage von Hofheinz  "Die Ergebnisse werden bestimmten "Mitteln" zugeschrieben, wohingegen der wahre Grund für eine erfolgreiche Wurzelkanalbehandlung doch wohl in der Art und Weise zu sehen ist, wie die mechanische Reinigung des Wurzelkanals durchgeführt wird", der von Hochschulseite auch heute noch häufig und  gerne mit "Es ist egal, was man in einen Zahn hineinfüllt, entscheidend ist, was man aus ihm heraus holt", zitiert wird, ist wunderbar kurz und griffig. Nichtsdestotrotz ist er bezogen auf Ätiologie und Pathogenese der Endodontitis in ihrem besonderen anatomischen Umfeld genau so unvollständig wie falsch. Diese Aussage ist nur vor dem Hintergrund verständlich, dass die Anatomie der Zähne zu seiner Zeit noch nicht vollständig beschrieben war. Es bestehen darüber hinaus erhebliche Hinweise darauf, das diese Hofheinz zugeschriebene Deutung nicht von ihm selbst, sondern vielmehr vom deutschen Zahnarzt Miller stammt, der von Hofheinz lediglich zitiert wurde. 

Die im Gegensatz zu Hofheinz ätiologisch und pathogenetisch begründete vollständige Beschreibung der indikationsgerechten Behandlung der Endodontitis und ihrer Komplikationen stammt von Prof. Otto Walkhoff Walkhoff . Sie besteht in:

Da Walkhoff "seine" Anatomie kannte, um die Therapieresistenz endodontitisrelevanter Keime wusste und für ihn kein Zweifel daran bestand, dass "die Tubuli für Bakterien wie Autobahnen sind, auf denen sie in in Achterketten aufmarschieren können", ist es sicher auch kein Zufall, dass er die chemische Aufbereitung an die erste Stelle gestellt hat. Dies um so mehr als er die Meinung vertrat, der sorgfältig behandelnde Zahnarzt solle "zum Wohle seiner Patienten die Potenz und Renitenz der endodontitisrelevanten Erreger besser über- als unterschätzen". Wo keine Bakterien mehr sind, gibt es eben auch keine bakterielle Infektionskrankheit mehr. Die Mechanik ist im Walkhoffschen Sinne in der Folge nicht Herr sondern Diener und Wegbereiter der  Desinfektion.

In der Geschichte der Endodontie gibt es zahllose Versuche, notwendige Behandlungsschritte auszulassen, um die Therapie abzukürzen. Alle sind gescheitert. Extreme Positionen werden von denjenigen eingenommen, die glauben, lediglich gründlich desinfizieren zu müssen, wie auch von denen, die die mechanische Aufbereitung zum Maß aller Dinge erheben (Osswald 2006). Wir führen unsere Erfolge darauf zurück, dass wir beide Positionen integrieren, indem wir sowohl ordentlich aufbereiten und dabei Zugang zum apikalen Infekt schaffen, als auch anschließend genau so sorgfältig wie geduldig mit einem Mittel desinfizieren, das bei Abwesenheit von Nebenwirkungen alle Forderungen erfüllt, die man an ein Desinfektionsmittel stellen muss, das in diesem mechanisch in weiten Bereichen unzugänglichen anatomischen Umfeld zur Anwendung gebracht wird. 

In der Folge erfüllen wir die von Walkhoff beschriebenen Bedingungen der indikationsgerechten Behandlung der Endodontitis und ihrer Komplikationen vollständig.

Große Aufhellung an 34 mit vestibulär deutlicher Knochenauftreibung und kleine Aufhellung an 35 im Juli 2004. Beide Wurzelkanäle sind nicht vollständig durchgängig (Klick!)

Die Kontrolleaufnahme im September 2004 unmittelbar  nach WF an 35 und Einprobe des Radix-Ankers an 34 nach langer Desinfektionsphase und Implantation an 36 zeigt röntgenologisch keine Ausheilungstendenz an 34. Klinisch besteht immer noch eine  für nicht ausgeheilte Ostitiden typische deutliche vestibuläre Druckdolenz und Druckempfindlichkeit (Klick!). 

Messaufnahme nach jetzt  forcierter Aufbereitung in die Aufhellung (therapeutische via falsa)  (Klick!)

Die Kontrollaufnahme unmittelbar nach WF und Zementieren des Radix-Ankers vor Abdrucknahme nach nochmaliger geduldiger Desinfektion  im November 2004 zeigt eine leichte Ausheilungstendenz bei klinisch jetzt vollständiger Beschwerdefreiheit (Klick!).

Die Verlaufskontrolle im März 2006 zeigt die praktisch abgeschlossene, röntgenologisch knochendichte Ausheilung bei anhaltender klinischer Beschwerdefreiheit. Ob sich der Verdacht auf Ausbildung einer Aufhellung am klinisch unauffälligen 35 bestätigt, wird die Zukunft zeigen. Schade, dass wir nicht auch hier forciert im Sinne einer therapeutischen via falsa aufbereitet haben. Zum Glück haben wir keinen Radix-Anker gesetzt, so dass wir das jeder Zeit nachholen können, wenn sich der Verdacht klinisch oder röntgenologisch erhärten sollte (Klick!)

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